Makrostrategien – Sicher investieren, wenn Staaten pleitegehen
„Willkommen im Zeitalter der Instabilität“, so begrüßt Wolfgang Münchau seine Leser.
Im ersten Teil des Buches geht der Autor auf die Ursachen für die Krise 2007 bis 2009 ein. An dieser Stelle möchte ich nochmals auf diese beiden Bücher hinweisen: „Die große Rezession“ (Hanser) von Nikolaus Piper und „Nachkrisenzeit“ (ecowin) von Daniel Gros und Sonja Sagmeister, da sich beide Bücher auch mit der Krise von 2007 bis 2009 ausführlich auseinander setzen. Natürlich auf ganz unterschiedliche Weise.
Manches lässt sich in Münchaus Buch besser verstehen, wenn man die beiden erwähnten Bücher bereits gelesen hat. Wer weder Ahnung von Volkswirtschaft noch von Betriebswirtschaft hat, für den könnte die Lektüre eine doch etwas anstrengende Kost sein, wenngleich Wolfgang Münchau schwierige Sachverhalte immer wieder ausführlich in seinen Textboxen erklärt. Es ist ihm vor allem gelungen die doch sehr schwierig zu verstehende Instabilitätstheorie Minskys mit verständlichen Worten zu beschreiben. Sollten Sie das eine oder andere dennoch nicht verstehen, kein Problem, da sind Sie auf einer Stufe mit den meisten Volkswirten. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb die Krise nicht erkannt wurde. Für Minsky ist die Finanzkrise nicht die Konsequenz eines unvorhersehbaren Schocks, sondern sie ist Teil eines Systems, das von sich aus zur Instabilität neigt. Immerhin hat Minsky die Subprime-Krise und die darauffolgende Bankenkrise bereits in den 80er Jahren vorausgesagt.
Die englische Königin stellte einmal die Frage, warum Ökonomen diese Krise nicht voraussagen konnten. Die kurze Antwort liegt in den heute gängigen ökonomischen Modellen. In diesen Modellen gibt es nämlich keine Finanzmärkte.
John Maynard Keynes, der Nobelpreisträger James Tobin und natürlich Minsky interessierten sich für die Finanzmärkte, aber der Mainstream in der Makroökonomie benutzt ökonomische Modelle ohne Finanzmärkte. Ja, Sie lesen richtig.
Es könnte jetzt leicht der Verdacht aufkommen, dass dieses Buch ein Traktat über die Volkswirtschaftslehre und ihr Versagen in der Krise ist. Ist es nicht! Doch auch für Investoren ist es von Bedeutung zu wissen, dass diejenigen, die die Krise nicht vorhergesagt haben, mit ihren falschen Modellen auch weiterhin die Wirtschaftspolitik der großen Industriestaaten bestimmen. Das DSGE-Modell wird unter Ökonomen mittlerweile bevorzugt. Manch einer hat sich 20 Jahre damit beschäftigt, schreibt Münchau. Auch unter jungen Professoren ist es beliebt, weshalb man sich davon nicht einfach so verabschieden wird. Hinter diesen Modellen stehen natürlich auch politische Glaubenssätze. Zunächst fragten sich jene Experten natürlich auch wie es zu dieser Krise kommen konnte. Doch schon bald wurde weiter gemacht wie bisher, denn in diesen Modellen existierte die Krise überhaupt nicht. Gerade hier liegt das Problem. Somit wird die Instabilität an den Finanzmärkten in der Zukunft eher zu- als abnehmen, sagt der Autor.
Patentrezepte à la Kochbuch werden Sie in diesem Buch nicht finden, aber jede Menge hilfreiche Informationen, die Sie in Ihre Finanzplanung einbeziehen können.
Es ist nicht das Ziel dieses Buches, den Gang der Geschehnisse zu ändern, sondern auf die drohenden Gefahren aufmerksam zu machen. Sie erhalten einen Analyserahmen, anhand dessen sich Sparer und Anleger vor diesen Gefahren schützen können. Münchau versteht Markostrategien auch als ein politisches Buch.
Hilfreich sind auch die zahlreichen Informationsquellen am Ende des Buches.
Eine davon ist der Blog der Financial Times.
FT Alphaville Finanzblog der Financial Times: http://ftalphaville.ft.com/ in englischer Sprache.
Wer noch eine ungebrochene Affinität zum Thema hat, den wird diese Buch nicht eher loslassen, ehe er es gelesen hat. Es ist nämlich so spannend wie ein Kriminalroman von Stieg Larsson.
Wenn Sie sich in die Welt der Spekulanten hineinversetzen wollen, dann empfehle ich Ihnen das Buch von Michael Lewis, „The Big Short. Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte“. Eine Rezension von Nikolaus Piper finden Sie online unter http://www.sueddeutsche.de
Wolfgang Münchau ist Direktor des Wirtschaftsinformationsdienstes „Euointelligence.com“ und Europa-Kolumnist der britischen Financial Times sowie der FT Deutschland mit Sitz in Brüssel. Er ist Autor verschiedener Bücher, darunter „Das Ende der Sozialen Marktwirtschaft“ und „Kernschmelze im Finanzsystem“ (beide erschienen bei Hanser)

